#1 Obama-Kult: zum Jourfix vom 28.07.08 von Vallo 16.08.2008 13:59

Obama-Kult: zum Jourfix vom 28.07.08

1. Obama ist die Person gewordene Alternative zu Bush. Dass er anders ist, sieht man äußerlich daran, dass er schwarz ist und auch sonst nicht dem Bild eines etablierten Politikers entspricht.

2. Dass er die Bushalternative ist, den "wir" hierzulande nicht mögen, dafür wird er bejubelt. Er wird also nicht dafür gefeiert, was er ist, welches Programm er hat, welche Politik er macht, sondern dafür was er nicht ist. Er ist "nicht-Bush". Er verkörpert nicht die amerikanische Politik, die er ja sowieso noch nicht bestimmt, sondern die Interessen, Hoffnungen und Erwartungen, die "man" an den zukünftigen Führer der mächtigsten Nation der Welt heranträgt.

3. Das Rätsel, warum auch deutsche Nationalisten, den Obama machen, ist gar keins. Immerhin haben sie gelernt, dass es, seit es die Bundesrepublik gibt auf den früheren Führer der freien Welt und jetzigen Führer der Welt, ankommt. Als Frontstaat wurden in der BRD fast schon amerikanische Grenzen verteidigt. Die Brd war nicht nur amerikanischer Enflußbereich, sondern Verbündeter in der amerikanischen Kriegsallianz gegen die SU. Von der Usa werden die Konzessionen auf weltweiten Einfluss gewährt. Von ihr hängt es ab, wie die Stellung der eigenen Nation in der Nationenkonkurrenz aussieht. Sie kann Ansprüche bestreiten und verwehren, sie kann eine erreichte Stellung zubilligen oder bestreiten. Sie kann unliebsame Nationen zurückstufen oder ganz auslöschen. Sie gewährt Teilhabe an der Weltherrschaft. Daher ist es überhaupt nicht verwunderlich, dass deutsche Nationalisten sich engagieren. Sie fühlen sich betroffen, weil sie es sind.

"man muss zur Kenntnis nehmen, dass es möglich ist, dass sich Untertanen für einen Führer begeistern, der gar nicht der eigene ist." Von wegen der Amipräsident sei nicht ihr Führer. Faktisch erscheidet er über das Wohl und Wehe auch der deutschen Nation. Im Bewusstsein dieser Abhängigkeit fahren deutsche Nationalisten nach Berlin und bringen mit ihrem Jubel zum Ausdruck, was sie sich von einem alternativen Präsidenten für Deutschland erhoffen.

4. Wovon wird im demokratischen Führerkult abstrahiert und wovon nicht? "In den Qualitäten dieser Führungsfiguren abstrahieren die Leute davon, wessen Führer einer sein soll." Verkehrter geht's nicht. Das Gegenteil stimmt eher. Weder wird davon abstrahiert, dass Obama der zukünftige Führer der USA ist. Noch wird in den Qualitäten der Persönlichkeit abstrakt Führung geschätzt. Er verkörpert das Bild eines amerikanischen Präsidenten, der unseren Interessen entgegenkommt. Das ist die Grundlage. Den Präsidenten von Weißrußland kennt keine Sau und welchen Führungsstil er pflegt, kümmert ebenfalls niemand. "Auch wenn den Leuten im Ausgangspunkt klar ist, dass sie den eventuellen künftigen Präsidenten vor sich haben, sagen sie nicht, sie wünschten sich so Jemanden als amerikanischen Präsidenten, sondern bewundern pur seine Erscheinung und sein Auftreten." Was heißt da "im Ausgangspunkt". Das ist die Grundlage, die durch den Abflug in die Bewunderung nicht verlassen wird, sondern bestätigt wird. Jemanden dessen Ziele man nicht teilt, dessen Auftreten bewundert man nicht, sondern gibt es z.B. der Lächerlichkeit preis.

"Diese Bewunderung haben die Leute sich nicht selbst zurechtgelegt, sie ist ihnen vielmehr gemäß ihrem Knechtsbewusstsein präsentiert worden." Na klar. Das arme geknechtete Volk mal wieder, wird sogar zum Jubeln gezwungen. Nicht, dass sie mit ihrem Jubel, den obersten Repräsentaten ihres nationalen Anliegens hochleben lassen, als Knechte, die sie sind, bewundern sie eben was ihnen zum Bewundern vorgesetzt wird.

5. "Hier wird jedoch von Inhalten abgesehen, und mit dem Ruf nach Repräsentanten, die nicht die ihren sind, ein Führerkult in Szene gesetzt, der dem Urbild eines Repräsentanten, den man sich hierzulande wünscht, entspricht. ...Der demokratische Wahnsinn, welche Kapriolen solch ein Bedürfnis selbstbewusster Untertanen schlägt, ist an den Kriterien dieses Führerkultes, die nichts mit politischen Inhalten zu tun haben, festzustellen." Der Wahnsinn ist wohl eher einer, der aus der verkehrten Erklärung hervorgeht. Ein Führerkult, der sich völlig loslöst von der Funktion, die der Führer in einem konkreten Land zu einer bestimmten Zeit mit bestimmten weltpolitischen "Aufgaben", sondern pur so eine Persönlichkeit angeblich nach bloßen Geschmacksfragen beurteilen soll, son ein Begriff vom demokratischen Führerkult ist wirklich der Wahsinn. So einem "Wahnsinn" hängt dann natürlich auch das Volk an, das selbstverständlich keine nachvollziehbaren Gründe für seine Jubelarien haben kann. Volk will, weil es Volk ist, eben jubeln. Wahnsinn! Einfach Wahnsinn!

#2 RE: Obama-Kult: zum Jourfix vom 28.07.08 von Krim 30.09.2008 14:29

Der jetzt erschienene Gsp Artikel dazu "Ein Führer wie gemalt" (GegenStandpunkt 3-2008) ist unsagbar dumm. Der ist so dumm, dass selbst das Jourfixprotokoll dagegen noch wie eine differenzierte Erörterung des Themas erscheint. Ein reine Nacherzählung der Lobhudeleien der bürgerlichen Presse auf Obama. Das soll wohl irgendwie ironisch überspitzt rüberkommen, ist aber bloß eine völlig begriffloses wundern darüber, zu welchem Führerkult demokratische Untertanen in der Lage sind. Dabei nimmt man völlig davon Abschied die demokratischen Jubelfeiern irgendwie erklären zu wollen. Demokratische Untertanen jubeln halt ihren Führern zu - das ist ihr Bedürfnis. Fertig. Mehr steht da nicht.

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